Der Spiegel meldet "Zahl gewaltsam getöteter Kinder steigt". Die Steigerung sieht laut dem Artikel jedoch so aus:
"Vor zehn Jahren waren Schätzungen des Kinderhilfswerks Unicef von bundesweit rund hundert gewaltsam gestorbenen kleinen Kindern jährlich ausgegangen."
2007 "kamen 173 Jungen und Mädchen unter sechs Jahren gewaltsam ums Leben... In 20 Fällen gingen die Ermittler im Jahr 2007 von Mord aus, in 91 Fällen von Totschlag und in 62 von fahrlässiger Tötung"
2008 "sei die Zahl getöteter Kinder nach bisherigen Erkenntnissen auf hohem Niveau ziemlich gleich geblieben"
Es gibt also eine Stagnation von 2007 zu 2008, und die einzige erkennbare Steigerung entsteht durch den Vergleich einer Unicef-Schätzung mit einer Polizeistatistik, wobei letztere "fahrlässige Tötung" beinhaltet. Dieser Straftatbestand gilt z.B. bei Verkehrsunfällen oder bei ärztlichen Kunstfehlern und es ist unklar, ob Unicef sich mit seiner Schätzung auch auf solche Opfer bezog.
Zieht man also die 62 Fälle fahrlässiger Tötung ab, so hat man eine "Steigerung" von "
geschätzten rund hundert" auf 110 statistisch erfasste Opfer. In zehn Jahren, wohlgemerkt.
Kinderschutz ist richtig, keine Frage. Aber gerade deshalb ist er kein Spielplatz für Verblödungsstatistiken und reisserische Panikmache.